Rote Fahne wird nicht angebracht!

Rote Fahne wird nicht angebracht

Kompromiss: Orthodoxes Kreuz auf dem Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof soll bleiben

Schloß Holte-Stukenbrock(WB/bs). Das orthodoxe Kreuz auf dem Obelisken auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne wird nicht durch eine rote Fahne ersetzt. Das teilte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr gestern mit.

 

In der Pressemitteilung wird von einem Kompromiss gesprochen. Am 3. Dezember hat unter der Leitung des Landesvorsitzenden des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Minister Thomas Kutschaty, in den Räumen des Landtages NRW in Düsseldorf ein intensives Gespräch über die Gestaltung des Obelisken und des Sowjetischen Ehrenfriedhofes in Schloß Holte-Stukenbrock stattgefunden.

Alle Beteiligten seien sich darüber einig gewesen, dass die langjährige Diskussion über die Gestaltung des Obelisken zu einem allseits befriedigenden Abschluss geführt werden soll, heißt es in der Mitteilung. »In dem Gespräch wurde letztlich vereinbart, dass das auf dem Obelisken sich befindende orthodoxe Kreuz erhalten bleibt und nicht durch eine Glasplastik in Gestalt einer roten Fahne mit Hammer und Sichel ersetzt werden soll. Allerdings soll, wie von der Dokumentationsstätte Stalag 326 bereits vor einiger Zeit vorgeschlagen, die Entstehungsgeschichte des Obelisken an Ort und Stelle dokumentiert werden. So ist für alle Besucher des Friedhofes die ursprüngliche Gestaltung des Obelisken auf einem Foto mit einem entsprechenden Text nachvollziehbar«, heißt es weiter.

Darüber hinaus haben sich die Teilnehmer darauf verständigt, dass auf dem Friedhof eine Dokumentation aller Namen und Daten der auf dem Friedhof ruhenden sowjetischen Toten in ansprechender würdiger Form an der Kriegsgräberstätte erfolgen wird. »Um die Namen wird sich die Dokumentationsstätte Stalag kümmern«, sagte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTES. Dafür werde die Dokumentationsstätte auch Geld erhalten, mit dem Personal finanziert werden könne. Die Namen, die dann auf dem Friedhof, genannt werden, müssten sortiert und weiter erforscht werden. In welcher Form die Namen dokumentiert werden, werde noch geprüft.

Die zwischenzeitlich diskutierte Idee zur Aufstellung von orthodoxen Kreuzen auf dem Gelände wird nicht weiter verfolgt, da das Kreuz auf dem Obelisken verbleibt, geht aus der Mitteilung der Stadt weiter hervor. Der Vertreter der Botschaft der Russischen Föderation habe deutlich gemacht, dass die Dokumentation der Namen – insbesondere für die Angehörigen – eine herausragende Bedeutung hat. Es solle ein würdiger, namenbezogener Ort der Trauer geschaffen werden.

Die Stadt Schloß Holte-Stukenbrock sei allen Gesprächsteilnehmer sehr dankbar, dass sie diesen Kompromiss gefunden haben und so in Zukunft keine rote Fahne mit Hammer und Sichel auf dem Friedhof zu sehen sein werde.

Insbesondere freut sich der Bürgermeister über das Zugeständnis der Vertreter der Russischen Föderation: Sie haben zum Ausdruck gebracht, dass die Angehörigen der sowjetischen Kriegstoten einen großen Wert auf die Dokumentation der Namen der Toten legen und dabei die Frage der Gestaltung des Obelisken nicht im Vordergrund steht. Erfreut ist der Bürgermeister auch über die Unterstützung des Kompromisses durch den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge, die Staatskanzlei NRW und das Bauministerium des Landes.

»Zu einem solchen Kompromiss wäre es aber nicht gekommen, wenn im Vorfeld nicht der große Unmut in der Bevölkerung durch unterschiedlichste Vertreter vor Ort zum Ausdruck gebracht worden wäre«, so Erichlandwehr in seiner persönlichen Einschätzung. Nur dadurch und durch die Unterstützung der Regierungspräsidentin habe das vorzeitige Umgestalten des Obelisken und das Anbringen der roten Fahne verhindert werden können. Zu erwähnen seien insbesondere auch die Vertreter der CDU auf kommunaler Ebene, auf der Ebene des Landes, des Bundes und der europäischen Ebene. Jeder habe in seinem Zuständigkeitsbereich auf die besondere Problematik der Wiederanbringung einer roten Fahne auf dem Obelisken aufmerksam gemacht. »Der Einsatz war erfolgreich, wie der jetzt gefundene Kompromiss zeigt«, betont der Bürgermeister. Er gehe davon aus, dass dies die endgültige Entscheidung sei.

»Es ist bedauerlich, dass mit diesem Kompromiss der Wunsch der Überlebenden nach der Ursprünglichkeit des Obelisken missachtetet wird.« Mit diesen Worten kommentiert Hubert Kniesburges, Vorsitzender des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock die jetzt öffentlich gewordene Übereinkunft. Verwundert zeigt sich Kniesburges, dass kein Vertreter des Arbeitskreises zu diesem Treffen eingeladen wurde. Schließlich habe der Arbeitskreis, an den sich die Überlebenden vor jetzt mehr als zehn Jahren gewandt haben, das Anliegen der Landesregierung vorgetragen und dazu zahlreiche Gespräche mit den zuständigen Stellen geführt.

Noch im August dieses Jahres haben zehn Überlebende ihren Wunsch noch einmal bekräftigt. Der Landesregierung liegt dieser Brief vor. »Wir werden von der Landesregierung Aufklärung über ihr Vorgehen verlangen«, kündigt Hubert Kniesburges an.


Westfalenblatt 30.12.2014