"Pflege - eine besondere Herausforderung für die Gesellschaft"

Themenabend der CDU am 26.08.2015

»500 000 Pflegekräfte fehlen« Präsident des Deutschen Pflegerates spricht über Pflege als besondere Herausforderung für die Gesellschaft.

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). »Die demografische Entwicklung gibt gnadenlos den Takt vor.« Das sagt Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates und Geschäftsführer der ZAB (Zentrale Akademie für Berufe im Gesundheitswesen.

Westerfellhaus spricht auf Einladung des CDU-Stadtverbandes beim 3. Themenabend über die »Pflege – eine besondere Herausforderung für die Gesellschaft«. Sein Anliegen ist es, zu verdeutlichen, wie groß der Fachkräftemangel im Bereich der Pflege ist, und dass es viel zu verkürzt ist, bei Pflege nur an ältere Menschen zu denken. In allen Abschnitten des Lebens könne jemand pflegebedürftig werden.

Um zu zeigen, wie wichtig das Thema Pflege ist, hat er eine Menge Zahlen im Gepäck: Bis 2030 werden etwa 28,6 Millionen Bürger in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Zwischen 2005 und 2009 sind aber etwa 50 000 Stellen in deutschen Krankenhäusern weggefallen, da sie nicht mehr hätten finanziert werden können. Das sei der falsche Weg gewesen, kritisierte er.

Derzeit arbeiten nach seinen Angaben 1,2 Millionen Beschäftigte im Pflegebereich. Doch wegen der demografischen Entwicklung werden bis zum Jahr 2030 bis zu 500 000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen.

Wie viele vor ihm, plädiert er ebenfalls für verstärkte Anstrengungen bei der Ausbildung und kritisiert, dass in sechs Bundesländern für die Ausbildung als Altenpfleger noch Schulgeld gezahlt werden müsse.

Angesichts der Zunahme der Flüchtlinge in Deutschland fordert Westerfellhaus, dass qualifizierte Asylbewerber schneller in ihrem Beruf arbeiten dürfen. »Ich denke da zum Beispiel an ein syrisches Ärzte-Ehepaar, das hier nicht arbeiten darf.«

Als Mittel gegen den Fachkräftemangel in der Pflege sieht er auch die Umschulung junger Migranten an. Da es oft an der Sprache hapere, müssten entsprechende Sprachkurse angeboten werden. In Gütersloh gebe es eine Zusammenarbeit zwischen Jobcenter, Agentur für Arbeit und der ZAB, um junge, hoch motivierte Menschen im Pflegebereich zu qualifizieren.

Das Thema Pflege müsse in der Gesellschaft einen so hohen Stellenwert erhalten, wie Umweltschutz und Energie. »Es muss raus aus der Nische«, sagt Westerfellhaus. Eine positive Entwicklung sieht er durch das Pflegestärkungsgesetz II, das im nächsten Jahr in Kraft treten soll. Unterschieden wird künftig in fünf Stufen. Nach dem Grad der Selbstständigkeit soll geschaut werden, den es zu fördern gilt. Das sei richtig, bedeute aber intensive Arbeit. Auch dafür sei Personal in ausreichender Zahl notwendig. Das Ehrenamt sei im Bereich der Pflege sehr wichtig, gerate aber auch an seine Grenzen. »Pflegende Angehörige leisten sehr viel. Sie benötigen aber auch Auszeiten, in denen sie ihre zu Pflegenden in guten Händen wissen«, betonte Westerfellhaus.

Klaus Dirks dankte dem Referenten, der den mehr als 20 Gästen im Gasthof zu Post noch zu Fragen zur Verfügung stand. Den Präsidenten des Deutschen Pflegerates für diesen Vortrag zu gewinnen, sei nur dank der gemeinsamen Kreistagszeit möglich gewesen.

Artikel und Foto Westfalenblatt 2015-08-28