STALAG dauerhaft fördern / Land NRW ist in der Pflicht
In einem Gedankenaustausch mit dem Leiter der Gedenkstätte, Oliver Nickel, sagte Kuper gestern: »Wenn die wertvolle und umfangreiche Arbeit fortgesetzt werden soll, dann bedarf es der Zuschüsse und Verantwortung des Landes NRW.« Vor zwei Wochen sei vom Landeskabinett eine neue Förderrichtlinie in Düsseldorf beschlossen worden. »Die Einrichtung am Rande der Senne muss aus dem neuen Förderkonzept einen regelmäßigen Zuschuss erhalten«, sagt Kuper, der seit seinem Besuch in der Gedenkstätte im Frühjahr 2012 enge Kontakte nach Stukenbrock pflegt. »Eigentlich sind fast alle Kriterien erfüllt, allein der konkrete Umfang einer wissenschaftlichen Teilzeitkraft, die schon länger vor Ort tätig ist, müsste als Vergabekriterium genauer beleuchtet werden. Außerdem ist noch zu klären, wie der notwendige Eigenanteil aufgebracht werden soll.«
Nickel leistet 40 Stunden ehrenamtlich im Monat in der Dokumentationsstätte, macht aber deutlich, dass das dauerhaft nicht zu erbringen ist. »Wir haben ein Aufgabenfeld, das sich ständig vergrößert, und benötigen dringend hauptamtliche Unterstützung, zumindest in Teilzeit.« Das sei allein mit den Zuschüssen von Stadt und Kreis von je 2500 Euro jährlich, sowie aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden nicht leistbar. »Zudem muss man für eine engagierte Fachkraft, soll sie dauerhaft erfolgreich wirken können, eine verlässliche finanzielle Basis haben. Die ist aber derzeit nicht da«, sagt Nickel.
Die Betreuung der Angehörigen einstiger Insassen des Lagers, wissenschaftliche Anfragen, der Ausbau der pädagogischen Räumlichkeiten aber auch die stetig steigende Nachfrage von Schulklassen erfordere zeitliche Kapazitäten, »die wir nicht allein schaffen können.« Letztlich schwebe das Damoklesschwert der kompletten Schließung, zumindest aber einer Teilöffnung von nur noch einem oder zwei Tagen im Monat über der Erinnerungsstätte. »Die bedeutsame und aufopferungsvolle Arbeit von zwei Jahrzehnten droht im sprichwörtlichen Sennesand zu verlaufen. Das darf nicht passieren«, sagt Kuper.
Die CDU in Schloß Holte-Stukenbrock mache sich trotz drohender Millionenbelastungen ab 2014 durch den an das Land zu bezahlenden Kommunal-Soli von rund 1,16 Millionen Euro für die weitere kommunale Förderung stark, versprach Klaus Dirks, »aber das Land muss endlich erkennen, dass es in der Pflicht ist, diese wichtige Gedenkarbeit vor Ort und nicht minder die weitere Forschung auch auf eine solide finanzielle Basis zu stellen.«
Kuper wolle mit den Ministerien sprechen, Stiftungen in NRW befragen und auf die Landtagskollegen zugehen. »Es kann und darf nicht sein, dass dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte direkt vor unserer Haustür weiterhin so ignorant behandelt wird.«
Westfalenblatt 7.2013