Zurück in die Zukunft Junge Leute engagieren sich in der Dokumentationsstätte Stalag 326
Demokrat Ramadani und Patrick Miles engagieren sich in der Dokumentationsstätte Stalag 326
Neue Westfälische Zeitung vom 10.05.2011
SABINE KUBENDORFF
Schloß Holte-Stukenbrock. Disco, Grillparty, Kino – "dafür wird schon noch Zeit bleiben", sagt Demokrat Ramadani und lächelt. Patrick Miles nickt zustimmend. Die beiden 20-Jährigen haben nämlich einen neuen ehrenamtlichen Job, der mit viel Arbeit verbunden ist.
Die jungen Männer könnten die Zukunft des Fördervereins "Dokumentationsstätte Stalag 326" sein, für den sie sich jetzt engagieren, damit sich Jugendliche für die Aufarbeitung der Geschehnisse in dem Kriegsgefangenenlager in Stukenbrock-Senne interessieren. "Ich war selbst geschockt, wie wenig ich wusste", beschreibt Patrick Miles sein Aha-Erlebnis.
Demokrat Ramadani hat seine ersten Lebensjahre in Deutschland auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers verbracht – in einem Asylantenwohnheim am Emsweg. Mit seinen Eltern war er in den 90er Jahren aus dem Kosovo gekommen und in die Notunterkunft eingewiesen worden. "Ich weiß", sagt Demokrat, "wie das ist, wenn man da lebt, und die Leute bekommen nicht viel von Dir mit." So wie damals zwischen 1941 bis 1945, als die russischen Kriegsgefangenen interniert und Tausende von ihnen gestorben waren.
Ganz im Sinne seines Vornamens hat sich Demokrat im Jugendparlament engagiert und ihm mit Patrick Miles an der Seite Ansehen in der Bevölkerung und in der Politik verschafft. Nun sind sie dem Gremium zwar entwachsen, aber weiterhin beratend im Hintergrund tätig. Und so können sie sich auch durchaus vorstellen, die Inszenierung eines Theaterstücks zu dem Thema "Stalag 326" erfolgreich vorzuschlagen. So könne man sicher Interesse wecken.
Ramadani und Miles wollen in diesem Sinne Botschafter werden. Sie hatten in derNeuen Westfälischen die Notiz gelesen, dass ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht werden, und sich spontan mit Oliver Nickel, Vorsitzender des Fördervereins, in Verbindung gesetzt. Ihre Aufgabe, in die sie am Wochenende eingewiesen wurden: Kontakt mit den Schulen suchen und den ersten Besuch vorbereiten. "Oliver Nickel weiß, dass dann das eigentliche Treffen viel effektiver verläuft", sagt Ramadani. Am Gymnasium ist beispielsweise inzwischen festgelegt, dass jede Klasse einmal die Dokumentationsstätte besucht haben soll.
Patrick Miles studiert Politik und Wirtschaftswissenschaft, Demokrat Ramadani Jura. Zu den vielen Büchern, die sich schon auf ihren Schreibtischen kommen jetzt noch einige hinzu über das Kriegsgefangenenlager Stalag 326. Schwere Kost statt leichter Unterhaltung.
aktualisiert von Team SHS, 10.05.2011, 13:53 Uhr |